Am 20. Juni erlebt der Rennsteigstaffel-Lauf seine 26. Auflage. Genaugenommen müsste man ab diesem Jahr neu zählen: der Titel ist zwar derselbe, mit einer Querung des gesamten Kammwegs (die letzten Jahre von West nach Ost) hat das neue Format aber nichts mehr zu tun. Mit der Begründung, dass die Organisation entlang des gesamten Rennsteigs zu kostenintensiv sei, hat man nun die Etappen wie eine querliegende 8 mit Start und Ziel in Schmiedefeld gelegt. Die Radbegleiter haben sich das zwei Wochen vorher intensiv angeschaut, sind alle Etappen abgefahren und haben sich Notizen gemacht. Die Strecken sind durchaus interessant und herausfordernd. Es gibt eine Menge neuer Eindrücke und auch Ausblicke an Stellen, wo alter Wald abgestorben ist und nun das grün von unten nachtreibt. Doch nun zum sportlichen Geschehen.
Wir reisen auch in diesem Jahr am Vorabend an. Das Team-Quartier für die Startläufer der Etappen, die Radbegleiter und Team-Coaches ist die Villa-Eckardt. Wir haben das ganze Objekt für uns allein. Zudem ist es sehr ruhig am Ortsrand gelegen. Und es beginnt mit dem gemeinsamen Pasta-Essen.


Anschließend bereitet sich jeder so ein wenig auf den morgigen Renntag vor und wir sitzen bei lauer Temperatur noch mit einem Kaltgetränk auf der Terrasse. Wider Erwarten und der Vorhersage geht nachts noch ein ordentliches Gewitter nieder. Die einen kommen dann nicht mehr in den Schlaf, die anderen haben gar nix gehört. Der Blick nach Osten zur aufgehenden Sonne ist dann sehr eindrucksvoll.

Wie in den Vorjahren erfolgt der Start der Männerstaffeln um 6 Uhr. Das Start-Tor ist der Ausgang der großen Halle, die Läufer haben drinnen Aufstellung genommen. Max Betsch läuft für unser Team an. Zunächst wird eine etwa 5 Kilometer lange Schleife gelaufen wo man auf dem Sportgelände schon einmal in umgekehrter Richtung durch das Zieltor kommt. Hier liegen noch gut 130 Kilometer vor uns. Auf den ersten beiden Etappen hat der Veranstalter die Radbegleitung untersagt. Deshalb positioniert sich Peter, der später die Radbegleitung übernimmt, an einem von der Straße zugänglichen Punkt, um Wasser zu reichen. Max liegt dort auf Position 2, etwa 30 Sekunden hinter dem führenden Rennsteiglaufverein. Drei Kilometer weiter will Peter nochmal Erfrischung geben, doch Max taucht nicht auf. Am Wechselpunkt wartet inzwischen Sascha, die Unruhe bei allen steigt. Max ist erfahrener Läufer, hat sogar eine Tracking Uhr dabei. Wir warten und warten…ungefähr 35 Minuten nach der führenden Staffel taucht Max völlig durchnässt und fertig auf. Zumindest bleibt damit die Staffel im Rennen und viel wichtiger, es ist nichts schlimmeres passiert, außer 7 Kilometer mit ordentlich Höhenmetern extra gelaufen 🙁 Wie sich später herausstellt, hatte die Tracking Uhr zwar Signal gegeben. Das hatte sie aber schon vorher getan, als die Strecke stimmte. Deshalb dauert es sehr lange, bis Max den Fehler entdeckt und umdreht. Die Streckenmarkierungen sind durch den Regen deutlich verblasst, was aber auch nur bedingt eine Ausrede ist. Sascha beginnt jedenfalls die Aufholjagd. Am Veilchenbrunnen feuere ich ihn an. Während meiner Wartezeit habe ich mindestens 5 Teams vor dem Verlaufen gerettet. An dieser Ecke hatten wir uns auch in der Vorbereitung verfahren. Sascha läuft in 51min43sek die schnellste Zeit auf den 13,1 Kilometern und übergibt auf Willi.


Hier steigt Harald als Radbegleiter ein und bringt Willi bis zum Einstieg in den Trail unterhalb der 12 Apostel. Oben an der Höhen Möst wartet Peter auf dem Mountainbike und nimmt unseren Läufer in Empfang. Auf dem Kamm und tatsächlich ein Stück Rennsteig laufend ist Willi schnell in Zielnähe. Es geht den Birxsteig runter. Hinter der Hauptribüne übergibt er nach gut 51min Laufzeit den Transponder an Lucas. Peter bleibt in der Radbegleitung bis zum Anstieg auf den Schneekopf. Dort oben wartet jetzt Harald auf unseren Läufer und eskortiert ihn bis zum Wechsel an der Schmücke. Noch immer ist es bewölkt. Ein paar Regentropfen gehen nieder. Eigentlich optimales Laufwetter. Im Wechselbereich kommen wir jetzt in etwa mit unseren Ladies gleichzeitig zum Wechsel (der Frauenstart war bekanntlich 1 Stunde früher). Also ist noch Zeit, dass Florian mit Anke kurz posiert. Dann meistert Lucas noch den abschüssigen Schlussspurt, übergibt auf Florian und beginnt gleich zu fluchen “ was war denn das für ein Sch… hoch auf den Schneekopf, nass auf allen Vieren durch das Unterholz“. Dabei setzt er in der Endabrechnung die Bestzeit auf dieser Etappe (53:11min).


Florian ist richtig angefressen. Das merkte man schon am morgendlichen Kommentar im Chat, als die „Verspätung“ von Max publik wurde. Jetzt haut er richtig einen raus, absolviert die 11,4 Kilometer mit Überquerung vom großen Finsterberg in 43:11 min. Das ist am Ende Bestzeit auf Etappe 5, über 2 Minuten schneller als die führende Staffel. Zwischenzeitlich sind wir auch schon auf Platz 4 vorgelaufen. Jetzt wechselt der Transponder an Franz, der auf die Königsetappe geht (22 Kilometer mit fast 500 Höhenmetern). Zudem kommt jetzt die Sonne durch. Damit steigen die Temperaturen schnell an. Aber auch hierfür haben wir vorgesorgt. Es gibt an möglichen Stellen eine Sprühdusche (beispielsweise bei der Querung von Altenfeld, bevor es wieder in den Anstieg geht).


Franz spult wie ein Uhrwerk die letzten Meter durch Masserberg herunter. Auf dem Sportplatz wartet Marius, vor dem ein Rundkurs von 14,1km mit ebenfalls Ziel auf diesem Sportplatz in Masserberg liegt. Und jetzt liegen wir schon auf Platz 2 und sind der erste Verfolger. Franz war übrigens 1h23min unterwegs, schneller als wir ihn geplant haben und er verliert nur 2,5min auf Marcel Bräutigam. Diesen Abstand läuft nun Marius als schnellster auf Etappe 7 wieder heraus, setzt mit 54:11min die absolute Bestzeit. Henrik Fortmann ist last minute noch für Etappe 8 eingesprungen. Erstes Adrenalin hat er bei der Anfahrt zum Wechsel produziert, weil die Umleitung ihm zu schaffen machte. Letztlich ist er rechtzeitig da und auch eingelaufen, als Marius in den Wechselbereich kommt. Auch Harald konnte wieder aufschließen und nun Henrik bis oberhalb vom Triniustein begleiten. Unten, am Ausgang vom Trail, wartet Peter, allerdings auch 2-3 Minuten länger als gedacht. Henrik war erst gestürzt und dann noch kurzzeitig falsch abgebogen, korrigiert aber schnell und kommt auch wieder in einen runden Laufstil. Wir sprühen und duschen ihn bei jeder Möglichkeit, jetzt, wo es in der Sonne richtig heiß brennt. Auch er läuft am Ende eine Streckenbestzeit in 46:40min auf den knapp 11 Kilometern. Das Durchatmen ist mehr als verdient, während Theo inzwischen Richtung Frauenwald unterwegs ist.

Die 9. Etappe ist für mich einer der schönsten Abschnitte. Der Weg zur Talsperre Schönbrunn geht mehrere Kilometer bergab durch ein schönes Tal mit Feuchtwiesen und plätscherndem Bach. Nach dem Kreuzen de Sees über die Vorstaumauer steigt die Strecke ebenso schön und dosiert wieder an. Ob Theo dafür einen Blick hat? Auch spendet der Wald nicht mehr wirklich Kühle. Nach 53:03min ist Theo in Frauenwald, wo nun der letzte Wechsel auf Thomas erfolgt. Der hat sich auch in diesem Jahr nochmal fit gelaufen und hält damit seine Serie, an allen unserer Starts bei der Rennsteigstaffel teilgenommen zu haben. Chapeau.


Auch wenn der Sieg nicht mehr zu holen und der Vorsprung auf Platz 3 deutlich ist, haut sich auch Thomas ordentlich rein und bleibt mit gut 30 min Laufzeit unter dem angepeilten 4min/km-Schnitt. Dann erfolgt nach 9h22min28sek der gemeinsame Zieldurchlauf.

Der Rückstand auf den siegreichen Rennsteiglaufverein beträgt keine 31 Minuten mehr. Damit haben wir ab der zweiten Etappe sogar 4 Minuten besser gelegen als die Sieger, womit wir am Ende sehr gut leben können. Was wäre das für ein spannender Fight ohne das Missgeschick von Max geworden? Aber so steigt sofort die Motivation für nächstes Jahr, sich wieder dem Wettkampf zu stellen und wieder ganz oben anzugreifen. Riesen Kompliment an alle unsere Läufer und Radbegleiter, auch Team-übergreifend. Wenn immer ein X-Runner am Wechsel auftauchte, wurde angefeuert, unterstützt und mit gefiebert. Bei der Siegerehrung gibt es dann großen Jubel für unseren Silberplatz, wie auch wir mitjubeln für Rang 3 der X-Runners Ladies und uns über einen tollen 11. Platz der X-Runners II freuen.


