Abenteuer WM Belgien – Episode 3

Tag der Langstrecke

Guten Morgen liebe Leser, schon neugierig, wie es weiter geht?

Es ist Samstag morgen so etwa gegen 07:30 Uhr und die Ersten schlagen die Augen auf. Die ehemaligen „Zelter“ haben ihre erste Nacht im samtweichen Betten hinter sich. Jetzt stärken sich alle, bevor es auf zur Wettkampfarena geht. Im Mittelpunkt steht die Langstrecke mit 15 Kilometern.

Wieder ist es Karl, der als erster unserer X- Runners-Familie um 09:35 Uhr an den Start geht. Wie gesagt, 15 Kilometer sind an diesem hervorragenden Wettkampftag zu bewältigen. Die Runde beginnt wie am Vortag, doch danach geht es richtig in das Gelände und man sieht, wenn man sie nicht begleitet, von den Athleten eine gute Stunde nicht viel. Yves und Alex folgen genau 3 Minuten später. Frank geht um 10:10 Uhr auf Reisen und unsere WM Debütantin Kathleen um 11:40 Uhr. Auf dem ersten Teilabschnitt, welcher auch der längste Teil der Strecke war, mussten alle einen Sandsack gut 750 m bergauf tragen. Oben angekommen wurde der Sandsack abgelegt und eine Glocke wurde in etwa 10 m Höhe, die man durch ein Seil erreichte, geschlagen. Dann sollte man den Sandsack wieder aufhucken und ab ging es den Berg wieder hinunter. Von nun an ging es in Richtung Stadion, in mehr oder weniger schnellen Schritten. Einigen Läufern sah man die Strapazen schon nach der Hälfte der Strecke an.
Von Karl war wieder mal weit und breit nichts zu sehen. Spielte er Hase und Igel? Keiner wusste es so genau. Als Erster am Horizont kam unser Yves zum Vorschein. Einen kleinen Hügel hoch und dann rein in den schwierigsten Teil des Parcours: aller gefühlten 200 m ein Hindernis und es erweckte den Anschein nicht enden zu wollen.

Doch Yves, der sich perfekt auf dieses Rennen vorbereitet hatte, nahm jedes Hindernis mit einer Eleganz die seines gleichen sucht. Begleitet von Presse, Foto und sportlicher Leitung, sah man ihm an, wie er es genoss seine technischen Fertigkeiten unter Beweis zu stellen. Nach einer kurzen Einlage im Bierfass rollen und im Ziel angekommen, wartete man gespannt auf das Ergebnis. Ein überwältigender 8. Platz (AK40-44) in 1:27:56 Std. sprang am Ende heraus. Maria war die Erste, die Yves gratuliere, bevor alle anderen ihm die Hand schütteln durften.

Alex (AK40-44), mit einigen Minuten Verspätung, überquerte die Linie in 1:35:05 Std. auf Rang 20. Das Besondere daran war, dass unser „Kletteräffchen“ kein einziges Bändchen abgab. Er verriet uns erst am Abend, das dies auch sein eigentliches Ziel war. Naja, wollen wir es ihm mal glauben oder wie sagt man immer so schön – hätte, hätte, Fahrradkette.

Am Vortag noch enttäuscht vom Ergebnis, kam Frank am letzten, entscheidenden Hindernis, mit noch 2 Bändchen an – alles oder nichts, hieß es jetzt. Mit voller Konzentration und sehr viel Rennerfahrung ließ er sich viel Zeit, bevor er sich an das Hindernis wagte. Die Anspannung war bei allen Beteiligten groß. Jeder verfügbare Daumen presste sich in den Handballen der Zuschauer. Viele hielten den Atem an. Schwebende Stangen, geschafft! Ausruhen im Seil und durchatmen. 6 weitere Stangen zum Hangeln folgten. Bloß nicht loslassen. Und wieder geschafft! Nochmal ein Seil zum kurzen Ausruhen. Nur noch 6 Elemente und die rettende Glocke ist erreicht. Mit letzter Kraft nimmt Frank diese Elemente in Angriff, doch die Glocke bleibt unerreichbar. Ein weiteres Bändchen wird Opfer dramatischer Umstände. Auf geht es zu 2 Bierfass-Runden, welche dem erfahrenen Oktoberfest Besucher letztendlich aber nichts mehr anhaben können. Noch ein paar gezielte Schüsse und schon geht es ins Ziel. Am Ende steht ein sehr guter Platz 15 (AK 45-49) in 1:41:05 Std. auf der Tafel und wieder kommen alle zur Gratulation herbei geeilt.

Karl, der zwischenzeitlich alle Bändchen verloren hatte, überquert die Ziellinie leider nicht. Doch sein eigener Erfolg vom Vortag wird ihn sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben.
Für Kathleen ging das Abenteuer WM um genau 11:40 Uhr mit ihrem 10er Block los. Vom Start weg merkte man ihr an, diesen Parcours bezwingen zu wollen. Doch auch sie musste auf dem ersten Teilabschnitt Federn lassen. Nach gut 1:30 Std. folgte für unsere Athletin der schwerste Teil. Jedes Hindernis wurde von ihr mit voller Konzentration angegangen, am Ende reichte die Kraft leider nicht aus um wenigstens 1 Bändchen ins Ziel zu bekommen. Das spielte in diesen Fall aber gar keine Rolle. Denn wer die Entwicklung von Kathleen verfolgt, der weiß genau, was das für eine herausragende Leistung dies war. Vor nicht mal einem Jahr hatte sie sich entschieden, vom Laufsport in den OCR Bereich zu wechseln. Im Sommer folgte nach einigen Qualifikationsrennen schon die EM und nun die WM. Wir sind überzeugt, das geht in der Kürze der Zeit kaum zu toppen. Eine wichtige Rolle spielte hier natürlich auch ihr Mann und Trainer Alex, der über kurz oder lang postoperativ entschied, seine Frau an der Strecke mental zu begleiten. Ohne Zeitwertung, dennoch glücklich ins Ziel geschafft, belegte Kathleen (AK 45-49) am Ende einen guten 19. Platz von 27 Starterinnen, von denen nur 11 mit Bändchen das Ziel erreichten.

Ein weiterer X-Runner Athlet, Tim Waldstädt, lief uns im Laufe des Tages über den Weg. Wir waren erstaunt, dass er allein diesen weiten Weg auf sich genommen hatte. Er erzählte uns, dass er am Sonntag über 8 km offene wave Klasse starten wolle, wofür wir ihm viel Erfolg wünschten. In dieser Klasse startet man ohne Bändchen.
Dem noch nicht genug, tauchte aus dem Nichts ein altbekanntes Gesicht an der Strecke auf. Besuch aus Maastricht war im Anmarsch. Ein ewiger Rivale von Frank aus der Laufszene stand auf einmal mit dem Rad vor uns. Matthias Haase aus Thalbürgel beehrte uns und erzählte, er sei extra mit dem Zug angereist. Wie klein doch die Welt ist.

Ein Highlight des Tages folgte noch. Felix und Shu wollten es über die 100 m Strecke, die 2028 olympisch werden soll, wissen. 2 Stunden standen sie sich die Beine in den Bauch, weil immer nur 2 Starter gegeneinander an der Reihe waren. Die Beiden hatten den Plan gegeneinander anzutreten, welchen die Jury am Ende zunichte machte. Nun standen den beiden selbsternannten „alten Parcourhasen“ auf einmal jüngere Mädels gegenüber. Mit viel Enthusiasmus ertönte für diese 2 unvergesslichen Rennen der Startschuss. Vor dem Start folgten Worte wie: „Ihr werdet schon sehen!“. Wir verfolgten die Rennen genüsslich von der Tribüne aus. Es war uns eine Augenweide den 2 jungen Mädels zuzusehen, wie schnell man 100 m bewältigen kann. Für unsere 2 Männer war es sprichwörtlich ein Desaster. Mit einigen Fehlern behaftet, retteten sich beide ins Ziel.

Yves gab am Abend den entscheidenden Tipp – Übung macht den Meister! Felix, der es zwischenzeitlich auf die Matten schob, kam letztendlich doch zu dem Schluss, dass es am Unvermögen lag.
So ging ein langer Wettkampftag zu Ende. Am späten Nachmittag vergnügten sich Frankie, Felix und Ferry für 2 Stunden im nahegelegenen Freizeitbad, welches eine willkommene Abwechselung war. Karl, der bei der Bestellung für das Abendbrot mit leckerem Likörchen überrascht wurde, sorgte dafür, dass alle zufrieden und satt waren. Plötzlich stand er auf einmal vor uns – der frisch gebackene Welt (3 km)- und Vizeweltmeister (15 km), Jörg Eißmann. Ein echter Rand-Thüringer halt (genau genommen kommt Jörg aus Sachsen 😉 Bei einem kleinen Plausch und einigen Jubelgesängen radelte Jörg weiter auf seiner Siegesrunde. Wer weiß, wo seine nächtliche Tour endete. Zu späterer Stunde erzählten uns Kathleen und Alex, sie hätten einen Mann im Wald gesehen, der schon seit 2 oder 3 Tagen dort schläft. Einige Neugierige wollten sich vergewissern, ob dies wohl wahr sei und machten sich auf die Spur, den unheimlichen Fremden zu finden – ohne Erfolg. Außer etwas riechende Hinterlassenschaften lag dort nichts herum. Alle wieder in der Runde vereint, haben sich Frankie und Maria noch ein paar lustige Spiele ausgedacht. Wer kennt sie nicht: „Nicht blinzeln“ oder „Steinwurfkönig“ ? Es wurde viel gelacht, aber auch versucht zu schummeln. Der Sieger dieses Spielabends war Frank, der im Finale Alex ganz hauchdünn, mit einem Wimpernschlag, besiegte. Als Belohnung für diesen Marathon durfte er den ganzen Abend als Helge Schneider die Runde weiter bei Laune halten. Unsere Weinkenner und andere Experten schmiedeten bis tief in die Nacht den Plan für den Teamwettkampf. Viele Varianten wurden durchgespielt. Doch welcher sollte am Ende die beste sein?

Dies folgt in der 4. und letzten Episode!